cdv!

Fleischerei-Fachmesse

“Lieber Christian, 

nachdem ich mir das Programm des operncamps angesehen habe, stelle ich mal schlicht die Frage: Ist das wirklich ein barcamp? Was war der Hintergrund für eure Programm-Planung?

Liebe Grüße

…..”

So hätte sie aussehen können, die E-Mail, von mir aus auch der Chat oder die Briefpost. Stattdessen:

Ist das Euer Ernst @operncamp ? Vormittags fast nur Eigenwerbung, nachmittags 2h15′ für Sessions? Sorry, aber das haut nicht hin #nobarcamp

Was Stefan Evertz, mit Sicherheit einer der erfahrensten barcamper in Deutschland, bewogen hat, in dieser Form einen Mini-Rant loszulassen, entzieht sich meiner Kenntnis. Ebenso wenig, warum er denkt, dass er da mal hinlangen kann, ohne jegliche Kenntnis der Materie Oper und Orchester. Überraschend auch der Zeitpunkt. Überraschend, weil ich als Organisator der Konferenz, des Camps, des Treffens auf der dazugehörenden Blog-Seite den “Entwurf” eines Programms vor Wochen schon dort eingestellt hatte, mit der Bitte um Diskussion. Da kam mal nix.

Seit vielen Wochen mache ich  mir unglaublich viele Gedanken um das Format dieser Austausch-Plattform “operncamp”, wie ich sie weiterhin nenne. Und habe versucht, einige wertvolle Erfahrungen aus anderen Veranstaltungen einfließen zu lassen.

1. Die mangelnde Erfahrung der Zielgruppe mit barcamps. Wenige Internet-Schaffende aus den Kultureinrichtungen wissen, was das ist, haben damit keine Erfahrung. Natürlich weiß ich, dass das barcamp-Format auch für “Unwissende” geeignet ist, wollte aber dennoch den persönlichen Austausch untereinander noch mehr fördern. So entschied ich mich in meinem Entwurf für den Start mit einem kurzen Vortrag. Noch dazu mit Axel Kopp, den ich aufgrund seiner Ideen und seiner ausgezeichneten konstruktiven Kritik bisher nur digital kennen gelernt habe. Und: Einer verhältnismäßig langen Zeit für die Diskussion. Kann nicht so schlecht sein, oder? Dachte ich mir.

2. Das Umfeld. Natürlich bin ich sehr froh, dass das “operncamp” in Heidenheim stattfinden wird. Und dass ich als Initiator der opernwerkstatt für die Heidenheimer Opernfestspiele nur zu gern die Gelegenheit nutze, unser Umfeld vorzustellen. Wobei ich natürlich hoffe, dass unser Projekt im Kulturbetrieb hinlänglich bekannt ist. Das seltene Glück, das die Proben für die diesjährige “Carmen”-Inszenierung dann begonnen haben, wird, so ist meine Hoffnung, auch die Internetler der Kultureinrichtungen interessieren. Austausch untereinander inclusive.

Dass es Vorteile hat, diese Veranstaltung in Heidenheim auf die Füße zu stellen, ist doch klar. Unkomplizierte Raum- und Technikbeschaffung, spannendes Umfeld (siehe oben), et cetera. Mir das als “Werbeveranstaltung” darzustellen finde ich schlichtweg blöd.

Warum “Fleischerei-Fachmesse”?

Für mich ein Synonym für jeden anderen Titel einer Veranstaltung, ohne den Fachleuten für Fleisch ans Fleisch zu wollen. Mein Credo seit Jahren ist, dass wir als Digitale unsere Nerdtreffen verlassen müssen, wenn wir andere für Digitalien begeistern wollen. Feuerwehr-Fachmesse, Fachmesse für Lackierer, denkt euch was aus.

Dies bedeutet aber auch, vielleicht auf die bisher geliebten und geschätzten unkonventionellen Konventionen zu verzichten, die Menschen dort abzuholen, wo sie gerade sind. Mein seit Wochen beliebtestes Beispiel: Die von mir auf dem stARTcamp München angebotene Session  ”twitter Basics” hatte mehr als 20 Teilnehmer, die bis auf wenige Ausnahmen noch keine Berührung damit hatten.

Dass es mit dem Aufeinanderzugehen auch auf anderen Ebenen so noch nicht jetzt gut funktioniert, sehe ich allein an der sonst sehr geschätzten t3n: Dort ist mittlerweile auch das “operncamp” aufgeführt. Ich hatte es nicht gesehen. (aktualisiert)

Ach, Leute, geht’s jetzt wieder?

cdv!

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