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Tag "Konzert"

Foto: Markus Rollbühler

“Noch nie hat es die Möglichkeit gegeben, solche Inhalte in der Geschwindigkeit und Breite in Texten und bewegten oder nicht bewegten Bildern zu verbreiten und zu vervielfältigen, wie es das Internet erlaubt. Und noch nie gab es deshalb eine so große Gefährdung des geistigen Eigentums. Doch vor diesen Problemen darf das Urheberrecht nicht kapitulieren. Erfolgreiche Rechtspolitik resultiert nicht aus der Beritschaft, einer fast normativen Kraft des Faktischen einfach nachzugeben. Vielmehr muss es Aufgabe der Rechtssetzung bleiben, einer solchen Kraft entgegen zu treten und die von der Rechtsgeeinschaft im Prinzip anerkannten Recht zu bewahren und zu sichern.

Dabei dürfen sich Gesetzgebung und Rechtssprechung aber auch nicht über Veränderungen des Rechtsbewusstseins hinwegsetzen. Vielmehr gehört der Dialog zwischen den streitenden Interessengruppen in der Öffentlichkeit über das, was richtig und falsch ist, zu den wesentlichen Bestandteilen der Demokratie. Deshalb stellt sich die Frage, ob die derzeitigen gesetzliche Ausgestaltung der Urheber- und Leistungsschutzrechte der modernen Mediengesellschaft gerecht wird. Dies ist aus Sicht des Bühnenvereins nicht in jeder Hinsicht der Fall. Eine behutsame Änderung des Urheberrechtsgesetzes erscheint daher durchaus geboten.” (Resolution des Deutschen Bühnenvereins bei der Jahreshauptversammlung 2012 in Ingolstadt)

Die Bühnen stecken etwas im Dilemma. Denn auf der einen Seite sind die Chancen, auf der anderen Seite die Rechte.  Während sie auf der einen Seite die Chancen zu gern nutzen würden, für ihre Produktionen werben zu können, stehen dem die Nutzungs- und Leistungsschutzrechte diametral entgegen. Kurzes Beispiel: Wenn nur einer der beteiligten Künstler einer Veröffentlichung widerspricht, wird es nicht einmal einen Kurztrailer etwa zu einer spannenden Inszenierung geben.

Der Deusche Bühnenverein sucht somit nach moderaten Lösungen. “Das Internet ist viel mehr Chance  als Risiko”, formuliert es Geschäftsführer Rolf  Bolwin auf der Pressekonferenz nach der Hauptversammlung in Ingolstadt. Von Inszenierungen, die das Internet als künstlerisches Element verwenden, über Dialog und Kommunikation bis hin zur schon erwähnten Chance, in diesem Netz durchaus andere Nutzergruppen erreichen zu können, um sie für Theater, Orchester oder Oper zu interessieren.

Die Resolution ist ein pragmatisches Werk, das Anerkennung an die Künstler ebenso unterstreicht, wie eben auch das vehemente Interesse der Bühnen als Arbeitgeber, für ihre Arbeit das Internet ebenso nutzen zu wollen. Und das geht derzeit mal gar nicht. Von Kritiken der Tageszeitungen, die im Internet der Bühnen nicht abgebildet werden dürfen, muss dann auch gesprochen werden: Die Verlage lassen in diesem Geschäft gern geschäftig grüßen.

Gleichwohl hinken die Bühnen noch massiv hinterher. Keine Frage, dass sie sich mit den wichtigen Fragen des Leistungsschutzrechtes auseinander setzen, doch das geschieht eher oldschool. Denn twitter, facebook und Co. sind in der Landschaft der Bühnen noch lange nicht angekommen. Das Streamen von Inszenierungen interessiert viele, denn es könnte die Zahl der Besucher wahrhaft steigern. Diese zu binden, sie einzubinden, sie um Meinung zu fragen, das geschieht noch zu wenig. Die wenigsten Bühnen haben nach Auskunft von Fachleuten entsprechende Kanäle, die sie kontinuierlich und nach den ungeschriebenen Gesetzen der digitalen Kommunikation bedienen. Eine der löblichen Ausnahmen: Die Bayerische Staatsoper.

Dabei könnte insbesondere der Deutsche Bühnenverein sein Dilemma dort in die Diskussion bringen, wo sie stattfindet: im Netz. Und mit Sicherheit auch Freunde finden, wenn etwa großartige Inszenierungen der durchaus großartigen deutschen Bühnen mehr im Netz zu finden wären. Denn das Fernsehen ist gerade auch nicht ein Freund der Bühnen, weil es das nicht sendet, was diese mit oft großem Aufwand auf die Bühne bringen.

Man wünscht dem Verein die notwendige Kraft des notwendigen Lobbyismus, diesen Wunsch einer “moderaten Anpassung” an die Politik heran zu tragen. Nicht zuletzt auch, was die Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft verdi angeht. Diese, so schreibt der Verein in einer weiteren Resulution, räubert und ringt um die technischen Mitarbeiter; zum Schaden, so formuliert es der Bühnenverein, der Kunst und Kultur.

Der Verein, der immerhin mehr als 300 Kultureinrichtungen mit annähernd 39.000 Mitarbeitern vertritt, muss dabei aber auch mehr Flagge im Netz zeigen, sich damit befassen, wie genau dort die Situation der Kunst und Kultur empfunden wird. Etwas mehr Netz-Mut im sozialen Netz wäre gut.

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Die Landschaft der Camps ändert sich gerade. Es kommen viele dazu. Neben dem fb-Camp wartet auch noch das Schoko-Camp auf seinen Start, ein Grill-Camp ist in Planung, es gibt ein root-camp, ein castlecamp, und, ach ja, nun auch ein operncamp. Mit allen Tücken des Starts, etwa der der Terminplanung. Und siehe da: Es ist kaum mehr möglich, ein Event zu planen, ohne anderen ins Gehege zu kommen. Wobei, vielleicht ist das ja gar nicht der Fall. (Hier noch eine weitere  Übersicht bei t3n)

Die zunehmende Anzahl der Camps, die sich an die alte barcamp-Tradition anhängen, ist andererseits auch ein Beweis dafür, dass die Zahl der Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch nachgefragt wird. Wer über sein Thema sprechen möchte, sich mit Kollegen dazu austauschen will, der ist sich bei den “Fach”-Camps ziemlich sicher, diese genau dort finden zu können.

Mit der re:publica gibt es ein themenübergreifendes (Klassen-)Treffen, andere Veranstaltungen erfreuen sich ebenso an immer größerem Zulauf. Andererseits: Halt! Dass es in diesem Jahr keine StART-Konferenz geben wird, bedrückt mich dann schon. Und, ehrlich gesagt, dachte ich einige Minuten darüber nach, ob mit der Initiierung des operncamps gleichzeitig auch eine Kannibalisierung stattfindet. Mag sein. Vielleicht ist es auch eine Veränderung der Landschaft, die spitzere Themen erfordert. Die Macher der Konferenz forschen an den Ursachen. Ich bin gespannt.

Dass das Thema “Digitale Kommunikation” in den nächsten Jahren immer wichtiger wird, dafür besteht kein Zweifel. Dennoch bin ich auch als Berater immer derjenige, der das persönliche Treffen von Beteiligten ganz oben auf die Agenda stellt.  Und es ist damit die logische Konsequenz, über die Plattformen zu reden, die genau diese Möglichkeit bieten. Wer weiß, vielleicht wird es irgendwann auch ein Handwerker-Camp geben, und viele andere mehr.

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Die Landkarte der camps in Deutschland muss um ein weiteres Event erweitert werden: Am Samstag, 9. Juni 2012, wird das erste operncamp in Heidenheim stattfinden. Ich freue mich sehr, dass es in den letzten Wochen gelungen ist, einige kompetente Mitstreiter dafür zu finden. Mein Dank an erster Stelle gilt Johannes Lachermeier von der Bayerischen Staatsoper, der gern bereit war, sich die Idee für dieses camp anzuhören und es zu unterstützen.

Angesprochen sind jene Menschen, die sich mit Kultur, Oper, Musical oder Konzert im Social Web beschäftigen, die Projekte dieser Art voran treiben wollen, die das Netz und die Kultur mögen und nutzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand professionell oder ehrenamtlich unterwegs ist.

Besonders freue ich mich auf die Unterstützung der Heidenheimer Opernfestspiele, die für mich Auslöser waren und letztlich den Ausschlag gaben, dieses operncamp ins Leben zu rufen. Immerhin gab die opernwerkstatt der Heidenheimer Opernfestspiele den Ausschlag, die Vernetzung von Interessierten an den Themen Oper und Konzert behutsam und seither beharrlich voran zu treiben. Am 7. April 2010 startete das Projekt mit der Unterstützung von Marcus Bosch, dem Künstlerischen Direktor der Heidenheimer Opernfestspiele. Nunmehr geht die opernwerkstatt in ihr drittes Jahr, um den aufstrebenden Betrieb der Festspiele in Heidenheim zu begleiten.

Welche anderen Erfahrungen haben die Macher der Online-Kommunikation für Kultur, Oper und Konzert? Wo bestehen die besonderen Schwierigkeiten, sich im Netz Gehör zu verschaffen? Können wir neue Besuchergruppen erschließen? Ist das Marketing oder Kommunikation? Wer zahlt das? Wie funktioniert Crowdfunding?

Dies sind nur einige Fragen von hoffentlich vielen, vielen mehr, die wir zumindest beim ersten Treffen am 9. Juni in Heidenheim diskutieren wollen. Und für den ersten Termin haben wir uns für eine Teilform des camp-Formates entschieden. Besonders glücklich bin ich darüber, dass wir Axel Kopp für eine Keynote gewinnen konnten. Als profunder Kenner der Kulturszene insbesondere im Netz habe ich ihn als einen besonders kritischen und konstruktiven Menschen erfahren. Und bin gespannt, welche Impulse er an diesem Tag für die Diskussion unter den Web 2.0-Menschen in der Kultur setzen kann.

Axel Kopp

Was wir bisher getan haben:

Es gibt eine mixxt-Community für das operncamp. Und es gibt die Anlaufadresse operncamp.de (noch etwas leer!), die wir in den nächsten Wochen kontinuierlich füllen wollen. Wer dazu beitragen möchte, ist herzlich gern eingeladen. In den nächsten Tagen werden wir einen twitter-Account und eine facebook-Seite anlegen, die hoffentlich ordentlichen Zuspruch erhalten.

Ein besonderer Dank geht auch an das Best Western Premier Schlosshotel Park Consul Heidenheim, die uns die Räumlichkeiten für das Treffen zur Verfügung stellen.

Was noch fehlt:

Ein Logo. Es wäre sehr schön, wenn wir eins hätten. Und da es leider kein Budget gibt, hoffen wir auf eine Logo-Spende. Wer sich bemüßigt fühlt, kann uns gern einen Vorschlag senden. Dank und Ehre (und vielleicht sogar eine Eintrittskarte für die diesjährige “Carmen”-Inszenierung) sind allemal sicher.

Es wir mir allmählich schon etwas schwummrig, wenn ich an die bevorstehenden Orga-Aufgaben denke; freue mich aber auch schon unbändig darauf. Der dezente Hinweis, dass wir gegebenenfalls noch wohlmeinende Sponsoren benötigen, sei hier an dieser Stelle schon mal angebracht.

Wer darüber hinaus Anregungen für das Format und die Gestaltung hat, kann sich gern in jedweder Form beteiligen. Wir hoffen auf eine spannende und interessante Diskussion.

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