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Google, wir müssen (weiter) reden

26. März 2015

Google geht offensiv auf Verlage und Redaktionen zu. Aber es ist nicht einfach, wenn man in den Jahren zuvor eher unnahbar war, den direkten Dialog mit dieser Zielgruppe vermieden hat. Klar und verständlich auf der einen Seite, wenn man gleichzeitig als „Gegner“ mit einem Leistungsschutzrecht konfrontiert wird, einem deutschen.

Immerhin: Der amerikanische und internationale Konzern, der längst nicht mehr nur eine Suchmaschine ist, wagt den Versuch. In den Räumen des Münchener Zeitungsverlages (Ippen-Gruppe) in der Innenstadt der bayerischen Landeshauptstadt trafen sich Vertreter von Regionalzeitungen mit Menschen von Google.

Kurz vorab: Dialog geht anders.

Immerhin: Nahezu perfekt bedacht, was die durchaus geeignete Location angeht, Catering, Technik, Programm und Ausstattung. Weniger perfekt durchdacht: Das Programm. Da waren die Sales-Leute am Werk. Lediglich Dirk Barmscheidt (Consultant, kein Google-Mitarbeiter) sticht heraus, weil er Markenverständnis in die Diskussion bringt,  ohnehin eine Krux vieler regionaler Verlage. Was folgt: Die Produkte von Google. Von Kiosk über Adsense bis Adwords, es ist fast alles dabei, mit denen Google und Verlage Geld verdienen können. Smart und simpel präsentiert, sehr freundlich, sehr flach.

Auf einem Panel werden die Kollegen der Ippen-Gruppe, des Berliner Tagesspiegel und der Mittelbayerischen Zeitung zum aktuellen Stand und zu den künftigen Herausforderungen befragt; geübt sind sie schon, die Googler. Sie können sich auf einem Panel durchaus souverän bewegen. Erkenntnisgewinn: gering.

Was fehlt: Das Zuhören. Die offenen Fragen an die Zielgruppe, wo es vielleicht drückt oder schmerzt. Die Fragen, was Verlage und Redaktionen eigentlich in der Region auszeichnet, wo sie ihren Fokus sehen, welche Strategien sie entwickeln, dem Auflagenschwund der Zeitungen entgegen zu wirken. Persönlich gebe ich zu, dass ich durch die Teilnahme an vielen Barcamps versaut bin. Frontalkonferenzen sind sehr anstrengend, sie machen mich lethargisch.

Vielleicht auch nicht wirklich verwunderlich, wenn man vor nur wenigen Wochen mit einer NoReply-E-Mail zu dieser Veranstaltung eingeladen wird, in der kein einziger Ansprechpartner genannt wird. Ein Programm gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das wird wenige Tage vor der Veranstaltung nachgereicht. Es wird auch nicht deutlich, wer alles daran teilnimmt (siehe Barcamp …) Dass der Bayerische Ableger des Bundes der Zeitungsverleger beim Ansprech- und Einladungsprocedere nicht mitgespielt hat, ist ein Armutskapitel in den eigenen Reihen; das muss anderswo diskutiert werden.

Was am Ende übrig bleibt: Eine einzige unpersönliche E-Mail-Adresse, an die sich diejenigen wenden können, die später noch Fragen haben. Sorry, das ist etwas arm. Wollen wir wirklich Partner werden?

Nicht falsch verstehen, Google, die Einladung war gut, wir sind gern gekommen. Dennoch sind einige Punkte verbesserungswürdig. Es ist ein guter Schritt, den ihr da gegangen seid. Wir kommen gern wieder. Versteht es nicht falsch, wenn wir mit unseren Sorgen und Aufgaben ernst genommen werden wollen. Da kann man dann auch mal versuchen, unser Geschäft zu verstehen. Ich bin, bei einigermaßen Enttäuschung, zuversichtlich, dass ihr das schaffen werdet. Ihr seid ja schon ganz schön gut in vielen Gebieten. ;)

cdv!

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