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Mehr Action?! Mehr Breite!

4. Mai 2013

Das ist schon deutlich: Franziska Bluhm, Chefredakteurin der Wirtschaftswoche Online, fordert in ihrem aktuellen Beitrag „mehr Action“. Die nun anstehende re:publica soll zu einem Start für eine größere Bewegung werden, damit sich im und für das Netz mehr zum Positiven ändert. Beim Rückblick auf das Geschehen seit der re:publica findet sie, dass zu wenig seither passiert ist. In Teilen gebe ich ihr vollkommen Recht. Insbesondere was die Politik angeht. Und wenn es um die Netzneutralität geht. Und denke dennoch, dass schon viel mehr passiert ist, dass wir es nur nicht immer sofort mitbekommen.

Wir erleben jetzt eine ganz andere Blogger-Generation als in den Jahren zuvor. Menschen, die ohne Nerd- oder Geek-Hintergrund sich einfach einer dieser Vorlagen im Netz schnappen, daran bauen, dann starten. Bin gespannt, was einige, die ich dazu eingeladen habe, zur re:publica sagen. Die kannten sie bis vor einem halben Jahr noch gar nicht. „Muss man dahin?“ war die Standardfrage. Nö, muss man nicht. Man kann es probieren. Und dann entscheiden, ob man im nächsten Jahr wieder hingeht.

Bei meiner Arbeit für DocMorris habe ich in den letzten Monaten viele kleine Netzwerke kennengelernt. Die Menschen finden sich. Oder sie starten Aktionen, wie etwa Aleksander und seine Mitstreiterinnen mit den Blogger-Themen-Tagen unter dem Motto „#EinfachSein“. Wenn Bastian Hauck am Mittwochabend um 21 Uhr das Hashtag #dedoc in die Timeline wirft, finden sich wöchentlich zuweilen fast mehr als 30 Twitterer, die in einer Stunde einen munteren Austausch pflegen, Kontakte knüpfen, Kontakte pflegen und vertiefen.

Eng miteinander verbunden sind auch die, die etwa an Krebs erkrankt sind und ihre Blogs dazu nutzen, ihre Krankheit zu verarbeiten. Ohne große Aktion, aber immer mit einem wachen Auge auf die anderen sind immer wieder welche aus dem Netzwerk da, um sich gegenseitig zu stützen oder wieder aufzumuntern. Das Netzwerk lebt. Ähnliches gilt für die Blogger mit HIV. Sie kennen sich untereinander, und sind über mehrere Kanäle gut vernetzt.

Dass es allein in diesem Jahr 80 Camps in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegeben hat und geben wird, spricht auch dafür, dass sich das Netz erweitert und damit vielleicht auch besser strukturiert. Mehr Nischen- und Themencamps wie etwa das BleibGesundCamp oder das Healthcarecamp sind spannende Anfänge, die sich in den nächsten Jahren noch verfestigen werden.

Franziska hat Recht, wenn sie die Nominierung von #Aufschrei für den Grimme-Online-Award als bemerkenswert und gut einordnet. Das war ein richtiger Ruck, sowohl im Netz als auch in den klassischen Medien, somit in der breiten Öffentlichkeit. Ich denke nur, dass sich mehr Action derzeit noch nicht wirklich organisieren lässt. Oder einfach nur noch Zeit braucht. Wir müssen weiter daran arbeiten, die Offliner in vielen, vielen Gesprächen und Debatten von diesem Leben im Netz zu überzeugen.

Mich beeindruckt die Breite im Netz, wie zuvor beschrieben, gerade viel mehr. Daraus wird etwas werden, wenn es weiter in dieser Form wächst.

cdv!

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  • Marc W. Myers 13. Mai 2013 at 17:05

    Von allen sozialen Netzwerken, die ich auch heute noch aktiv nutze, ist meine Mitgliedschaft bei Facebook die älteste. Zunächst als Alternative zum heute beinahe vergessenen studivz gedacht, hatte ich mich auf Facebook mit Freunden und Bekannten vernetzt. Mit allen diesen Menschen verband mich, dass ich sie im Laufe meines Lebens irgendwann und irgendwo schon mal getroffen hatte. Ich hatte dieses Vorgehen für mich nicht zum Prinzip erhoben. Es hatte sich einfach ergeben.