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Warum mögt ihr Julia?

21. Januar 2014

Ein riesengroßer Wurf ist es nicht, es ist – auch für mich – durchaus berührend: Das Video, das die Psychologie-Studentin Julia Engelmann während ihres Auftritts zum Poetry-Slam in Bremen Bielefeld zeigt, ist wieder mal Streitpunkt im Netz. Der Hype der letzten Tage schafft wiederum neue Lager  von Befürwortern und Ablehnern. Die Oberflächlichkeit, mit der das diskutiert wird, ist erneut entnervend; die feuilletonistische Abhandlung einiger Medien genau so. Es reicht nicht mal zum Kichern.

Bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen habe ich in der Diskussion der letzten Tage nur eins nicht gefunden: eine inhaltliche Auseinandersetzung. Weder bei den Social Media-Evangelisten, die sich an diesem Hype erfreuen – oder nicht , noch bei den Psychologen, die vielleicht einfach mal etwas dazu schreiben können, warum so vielen Menschen dieses Video gefällt. Kai Thrun, der sich durchaus auf die Fahnen schreiben kann, zum Erfolg dieses Videos maßgeblich beigetragen zu haben, mag ich sehr gern. Er schreibt gute Blogbeiträge, die ich gern lese. Dass auch ihn und seinen Server dieser Hype etwas von den Füßen gerissen hat, vermag ich gern zu glauben.

Was ihm und vielen anderen aktuell fehlt, ist die Tiefe. Mal zu fragen, warum denn so viele Menschen diese einfachen Wahrheiten, die Julia durchaus gekonnt und sehr sympathisch dort slamt, so viele Menschen berühren. Der Journalist in mir fragt, wo Julia gerade steckt. Wie nimmt sie wahr, dass ausgerechnet ihr Video gerade das Netz stürmt? Was macht sie sonst? Und wie lässt sich dieser Beitrag mit anderen Beiträgen von ihr vergleichen? Selbst große Medien stellen diese Fragen nicht. Weil nicht interessant? Ey! Was lernt uns das?

Dass, was in den letzten Tagen nach dem allerersten Sturm jetzt im Netz kommt, ist zumeist schwachmatisierend. Selbst der sonst gern genossenen Zeit-Online-Ausgabe gelingt der Fehltritt, und schickt einen Adorno-Kenner zur Rezension dieses Videos. Mächtig oversized würde ich sagen, und ihnen die etwas weiter oben aufgeführten Fragen an die Hand geben. Macht erst mal das, und dann Adorno.

Im Angesicht der Ewigkeit, wie einst ein alter Freund zu sagen pflegte, ist das Video ein Atom, vielleicht noch kleiner. Ich hab’s gern gesehen, es hat mich berührt. Und mir sind junge Menschen, die noch so etwas auf die Reihe bekommen, ziemlich sympathisch. Für den Moment. Und sonst müssen wir weitersehen; wir werden, so glaube ich, gerade beobachtet.

cdv!

update: Lediglich Johnny – und wir sind wahrlich unverwechselbar – findet gute Worte dazu.

Ach, so: Wer’s nicht gesehen hat, hier:

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  • Kai Thrun 22. Januar 2014 at 07:02

    Lieber Christian,

    die Frage habe ich mir persönlich gestellt, bevor ich das Video online gestellt habe. Der Fragenkatalog ist manchmal etwas größer.
    Ich möchte Dir aber erklären, wieso ich das Thema nicht aufgegriffen habe. Weil es ein falsches Bild von mir vermitteln würde. Selbstverständlich habe ich mir die Frage (und einige Redakteure mir) gestellt, wieso das Video rum geht – es bleibt nur Vermutungen, auch wenn einige Dinge auf der Hand liegen. Der Punkt für mich ist, wieso ich auf dieses Thema verzichte: Ich brauche die ganzen Experten nicht auf meinem Blog. Ich möchte keine Diskussion darüber führen, welchen schöpferischen Anspruch Poetryslammer haben. Abgesehen davon würde ich dann vielleicht etwas lehrhaft wirken. Wieso es sich verbreitet hat, damit sollen sich andere beschäftigen.

    Deine Frage zu Julia kann ich klar mit „Ja“ beantworten. Sie hat das Thema seit Sonntag (12.1.) auf dem Schirm. Da muss sich dann die Presse auch mal damit zufrieden geben, dass jemand sich zurückzieht. Es gibt ein Telefon-Interview von Ihr bei 1Live, ich glaube das war am Freitag.

    Liebe Grüße
    Kai

  • Julia Engelmann | Don Philippo's Sicht der Dinge 26. Januar 2014 at 14:20

    […] Empfehlenswert dazu auch der Artikel von Christian de Vries: “Warum mögt Ihr Julia” . […]