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Was fehlt: Die Unbefangenheit

11. Juni 2013

Aber nicht nur die Art der Kommunikation ist daran schuld, dass wir Dinge oft verquer wahrnehmen. Es ist unsere Oberflächlichkeit und unsere Tendenz, die Dinge immer so zu interpretieren, wie sie uns gerade am besten in den Kram passen. Die Frage ist, ob wir uns damit wirklich einen Gefallen tun.

Die liebe Carriewi beschreibt sehr deutlich in ihrem Blogpost „Wie viel Wahrheit steckt in Wahrnehmung“, wie es leider häufig in der Kommunikation zwischen Mann und Frau abläuft. Das Paradebeispiel Martin taugt bei ihr und selbst unter den kommentierenden Männern wahrlich nicht zum positiven Glanzlicht.

Ob nun hin oder her, beide Geschlechter tun sich immer häufiger schwer, nur einen ersten Schritt aufeinander zu zugehen.

Einige Beispiele aus meiner Perspektive? Gern.

M., 43, fragt mich, ob ich die Veranstaltung in einer Woche auch besuche und ob wir zusammen hingehen wollen. Gern, sag ich, und erbitte die Telefonnummer, damit wir uns dann konkret verabreden können. Ich speichere und schicke ihr, drei Tage später, die Frage, wo wir uns treffen wollen. Antwort: Bis heute keine.

Ob wir am Sonntag zusammen zu diesem Event gehen wollen, fragt mich N., 37 Jahre alt. Können wir machen. Diesmal notiert sie meine Telefonnummer, verspricht, mir eine SMS zu schicken, damit ich ihre Nummer abspeichern kann, damit wir uns dann verabreden können. Ich warte bis heute. Am besagten Sonntag taucht sie zusammen mit ihrer Freundin auf. Und übersieht mich.

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Beispiele dieser Art, die oft in einem gleichen Muster ablaufen.

Kurz notiert: Es geht hier nicht ein Mal um ein Date, ein Treffen, um sich in einem Restaurant oder in einer Bar kennen zu lernen. Es geht nur um Verabredungen zu Veranstaltungen, die man gemeinsam besuchen möchte. Läuft aber nicht. Was ich wahrnehme: Oberflächlichkeit und Unverbindlichkeit. Die Wahrheit dahinter: Alles nicht so „ehrlich“ gemeint.

Was ich immer häufiger wahrnehme: Die Erwartungen in Dates und Verabredungen werden viel zu hoch gesteckt. Da muss dann alles passen, der Partner muss perfekt sein, das Arrangement grandios, der Abend genial. Hä? Warum? Die spontan gesagte Frage, ob man zusammen dorthin gehen möchte, gilt nur einen Tag später nicht mehr. Warum? Anders überlegt? Oder schon unüberlegt gefragt?

Was meiner Meinung nach vielen fehlt: die Muße und Gelassenheit, die Geduld. Und insbesondere: die Unbefangenheit. Können wir nicht erst ein Mal ohne große Erwartungen aufeinander zu gehen? Mag ja sein, dass da latentes Interesse schon leise lodert. Dennoch: Können wir nicht erst ein Mal etwas miteinander machen, uns Zeit nehmen für eine Aktivität, für eine gemeinsame Unternehmung?  Können wir nicht in vielen kleinen Schritten aufeinander zu gehen? Einfach nur, dass man sich kennen lernt? Und können wir dabei nicht ein kleines Mindestmaß an Verbindlichkeit vereinbaren?  Können wir gerade miteinander reden? Warum eigentlich nicht?

Eine Absage für eine Verabredung oder auch ein Date ist doch kein Problem, wenn sie offen und ehrlich ist. „Christian, ich habe mich anders entschieden, ich komme mit meiner Freundin dahin. Wir sehen uns dann da.“ Rechtzeitig geschickt, verursacht eine solche Nachricht keine Enttäuschung, sondern vermittelt einfach nur Fakten. Damit kann ich gut leben. Wenn keine einzige Antwort kommt, finde ich das einfach nur unhöflich.

Wen ich mag? Die liebe A. Ich schicke ihr eine Mail, ob sie vielleicht Interesse an dieser Veranstaltung am Wochenende hat. Nur zwei Stunden später die Antwort: „An diesem Wochenende bin ich schon verabredet. Gibt es vielleicht später noch Veranstaltungen?“ Check. Alles geklärt. Wir verabreden uns zum Essen. Sie schreibt eine kurze Nachricht, dass sie etwas später kommt. Sie informiert. Und dann ist sie da, wie versprochen.

A. ist 57 Jahre alt. Vielleicht eine Generationenfrage!?

cdv!

update: Der Kollege „Herzblatthelikopter“ sagt dazu auch noch kluge Dinge. I like.

 

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  • CarrieW 12. Juni 2013 at 06:11

    Liebster Christian, so schön geschrieben. Ich mag es, wenn du mal einen „Abstecher machst“. Du hast vollkommen recht: Uns fehlt die Unbefangenheit. Ich darf mich da wohl nicht ausnehmen. Man sollte an solche Sachen viel entspannter rangehen. Leider ist das nicht immer so einfach. Aber du weißt, ich teile deine Meinung zum „sich mitteilen“. Rüpelhaft und unhöflich ist das wenn man den Anderen einfach so dastehen lässt. Scheint so, als wäre A. anders. Bin gespannt wie es bei dir weitergeht :-)

    xoxo

  • Und? Wie macht man´s nun richtig? | mucxmaeuschen's Blog 13. Juni 2013 at 17:59

    […] Christian de Vries in seinem letzten Blog schon genau richtig erkannt hat, uns fehlt einfach die Unbefangenheit, damit aus einer […]