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Foto: Christian Gold

Foto: Christian Gold

“Es dreht sich was!” schreibt Karsten Lohmeyer zum Thema Journalismus; und in vielen Dingen pflichte ich dem bei. Natürlich, weil sich auch bei uns gerade viel dreht. So sehr ich sehr gern auf die Kollegen von Zeit Online und dem Online-Angebot der Süddeutschen Zeitung schiele, der Acker der deutschen Regionalzeitungen ist ein anderer. Und hier dreht sich noch nicht so viel, wie ich mir wünsche; immerhin die Kollegen der Rhein-Zeitung bleiben vorn. Mit einer sehr guten Arbeit.

Was genau dreht sich bei uns?

Die letzten sechs Monate habe ich gemeinsam mit dem Team verbracht, unsere Seite übersichtlicher zu strukturieren, ein präziseres System zu schaffen. Das ist, zusammen mit unseren Dienstleistern Kinetiqa und Dreamland, derzeit ein guter Prozess, der uns in unserem Verbreitungsgebiet weiter nach vorn bringen wird. Unser Gebiet ist die nördliche Oberpfalz, ein Raum, in dem etwa 500.000 Menschen leben.

Der Fokus liegt eindeutig auf der lokalen Berichterstattung. Leider bietet zu meinem Missfallen das derzeitige System nicht genügend Raum, unserer sehr engagierten Zentralredaktion mehr und prominentere Präsenz auf unserer Seite zu bieten. Das wird sich in absehbarer Zeit wohl ändern.  Was bis jetzt schon einigermaßen gelungen ist: Wir präsentieren übersichtlicher.

Um nicht nur die Arbeit unserer Lokalredaktionen zu verwalten und in Einzelfällen zu veredeln, sind wir vor einigen Monaten mit unseren Online-Stories gestartet. Ein Aspekt, den ich bei vielen anderen Kollegen der Regionalzeitungen vermisse. Ich wünsche mir mehr Experimente, mehr Mut. Wir probieren, wir experimentieren, wir spreizen das System, bis wir Ergebnisse haben, mit denen wir für den Beginn zufrieden sein können. Dabei sind schon jetzt viele Beiträge sehr gelungen.

Gleichsam haben wir den Auftritt insbesondere auf Facebook komplett überarbeitet, beackern ihn beharrlich; und erfolgreich, wie wir konstatieren können. Dabei gehen wir nun in eine sehr entscheidende Phase, den ich für Regional- und Lokalzeitungen für außerordentlich wichtig halte: Den direkten Kontakt mit unseren Fans, die ich viel lieber unsere Freunde nenne. Immer häufiger bitten wir sie um Hinweise zu Themen, oder auch um Beteiligung. Wiederum mit großartigem Erfolg.

Bestes Beispiel: Unser Thema “Tattoo”. Bereitwillig sendeten uns viele Freunde ihre Fotos mit ihrer Geschichte, die wir in den Beitrag eingearbeitet haben. Einer unserer meistgelesenen Beiträge: Innerhalb weniger Tage hatten wir fünfstellige Zugriffszahlen. Großartiger Lohn für diese Arbeit. Die  nächsten Beiträge sind schon in Arbeit, wobei wir sehr genau schauen, welches technische Format wir dafür auswählen werden.

SoMe Tools

Dass wir den Kontakt auf den unterschiedlichen Plattformen sehr ernst nehmen, zeigt auch die Auswahl des Management-Werkzeugs, dass meine liebe Kollegin Sonja Kaute nun auf ihrem Blog sehr gut und sehr ausführlich beschrieben hat. Wir sind sehr zufrieden, und wir diskutieren sehr gern darüber. Weil es eine sehr wichtige Arbeit innerhalb unserer Redaktion ist.

Wie geht es weiter? Wir wollen inhaltlich noch besser werden, die Geschichten tiefer und konzentrierter schreiben, die Arbeit der Lokalkollegen noch besser präsentieren. Dazu schon jetzt verraten: Im nächsten Jahr steht nicht nur ein neues Content-Management-System, sondern auch noch ein Relaunch auf dem Zettel. Die Projekte sind gestartet.

Wir werden neue Präsentationsmodelle entwickeln, werden über Monetarisierungsmodelle nachdenken, und auch sie dann präsentieren. Für uns wird wohl 2015 das Jahr werden.

Eine Anmerkung noch: Mir fehlt ein wenig die Vernetzung der Kollegen. Eine Veranstaltung, bei dem sich besonders die Onliner der Lokal- und Regionalzeitungen austauschen können. Der DJV  mit “besser online” kommt gerade sehr schwer aus dem Schuh, es gibt einige gute Veranstaltungen von technischen Anbietern; dennoch: wir sollten darüber nachdenken. Mir derzeit am liebsten: Ein Barcamp. Nur fehlt gerade die Zeit, dies auf die Beine zu stellen.

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Die Zeit fliegt. So fühlt sich das an. Beim Blick auf den Kalender staune ich ungläubig. Fünf Monate sind seit dem Umzug aus Aachen vergangen, seit März lebe ich in der Oberpfalz. Das Headquarter in Weiden, die Adresse ist fußläufig zur Redaktion. Der Bäcker ist um die Ecke. Die Stadt ist nicht weit. Die tägliche Routine hat sich eingespielt. Wenn ich mal mit dem Auto fahre, kenne ich nun die wichtigsten Wege. Dass ich mich verfahre, kommt noch vor, immer seltener.

Es gibt schon Lampen an der Decke. Das gab es in Aachen zu dieser Zeit noch nicht. Es sind einige Möbelstücke dazu gekommen.  Es ist schön, und schon noch etwas ungewöhnlich, auf nunmehr 90 Quadratmetern zu leben. Im Herbst werde ich wohl noch mehr Zeit in die Ausstattung der Küche stecken.

Wer an einem Sommerabend in die Stadt kommt, wird staunen. Ein Lokal reiht sich an das andere. Manchmal ist es schwer, einen freien Platz zu finden. Hier sitzen an den lauen Sommernächten mehrere hundert Menschen im alten Teil der Stadt. Es ist lebendig. Gute Biere, leckeres Essen; die Oberpfälzer genießen gern. Die Jungstörche sind schon fast flügge. Ein wunderbares Bild, wenn sie über der Stadt kreisen.

Wenn Junior da ist, fahren wir in die Gegend. Wir haben in Windischeschenbach einen Waldlehrpfad beschritten, waren auf dem Mittelalter-Spektakel in Bärnau, waren auch beim Mittelaltermarkt in Nabburg. An diesem Tag war es zu heiß. Wir waren am Steinberger See. Wir haben auf dem Rad den Rand der Stadt erkundet. Im Hallenbad gefällt es ihm. Die Zugstrecke kennt er, fährt sie auch bei den gewohnten Schwierigkeiten der Bahn souverän.

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Und jetzt endlich die größeren Radtouren: Einmal nach Schwarzenfeld, nun auch von Schönsee nach Nabburg, fast 50 Kilometer.  Vorbei an Wiesen und Feldern, an Wäldern, Flüssen, Bächen, an Weilern und Orten. So schön, dass man immer nach wenigen Kilometern wieder Wasser findet. Ein wunderschönes Stück Weg mit ungewöhnlich saftig grünem Gras und einer Kuppel aus Bäumen begeistert. Dabei bin ich mir sicher, einen der schönsten Kaffee- oder Biergärten schon gesehen zu haben. Das Wirtshaus “Sorgenfrei” in Altendorf ist etwas Besonderes. Ich freue mich auf die weiteren Touren, studiere dazu die entsprechenden Webseiten. Das wird großartig. Es gibt Pläne für Wanderungen.

Die sind dringend notwendig. Denn das Wochenpensum ist enorm. Zwischen 50 und 60 Stunden Arbeit zähle ich pro Woche.  Es ist viel Arbeit gerade. Nach den ersten Aufräumarbeiten auf der Seite Oberpfalznetz stoße ich nun immer weiter in die Tiefe. Technik, Optik, System, Prozesse, Dienstleister; es sind viele Themen. Gleichzeitig starteten wir mehrere Projekte, die richtungsgebend für die Arbeit der Kollegen in allen Redaktionen sind. Das Motto, dass wir gewählt haben, gefällt mir: Wir schreiben Zukunft.

Großartiges Team

Strategie, Organisation und Projekte wären für mich kaum machbar, wenn ich nicht ein großartiges Team hinter mir wüsste. Mit Sonja, Alexander, Christian und Anne ist eine kleine Truppe entstanden, die diese großen Herausforderungen stemmen kann. Ich kann mich auf sie verlassen. Wir haben Spaß. Wir schaffen etwas.

Damit lässt sich der leichte Ärger über den noch größeren Unbill ertragen. Das System habe ich weitgehend durchschaut. Die ganz großen Baustellen sind identifiziert. Es ist ein Programm für mehrere Jahre. Ein sehr herausforderndes Programm, dass mich auch nachdenklich macht.

Wer mich kennt, weiß recht gut, dass ich viel Herzblut in meine Arbeit stecke. Jeder darf mich einen Überzeugungstäter nennen.  Ich werde das weiterhin so tun.  In dieser sehr schönen Oberpfalz möchte ich aber mehr. Mir ist sehr danach, mich hier heimisch fühlen zu können. Mir ist sehr danach zumute, hier Menschen kennen zu lernen, mit denen man etwas teilen kann. Mir ist gerade sehr danach, hier anzukommen.

Nun, wenige Tage vor meinem Sommerurlaub, passt diese erste Bilanz. Ich bin zufrieden mit dem, war wir schon erreichen konnten. Ich bin nicht zufrieden mit dem, was bisher noch nicht gelungen ist. Ich freue mich auf die nächsten Herausforderungen. Ich freue mich auf die anstehenden Veränderungen. Am meisten freue ich  mich auf das Leben hier.

Und, leise Kritik an euch, weil ihr nicht mitgezählt habt: Das erste halbe Jahr ist erst Ende August vorbei.

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Ihr seid Deutsche. Ihr seid doof. Das ist aktuell meine Gemütsverfassung.

Der Grund für meinen Blutdruck entzündet sich an der Kritik, die natürlich am heute veröffentlichten Projekt “Krautreporter” auch schon online ist. Und angefangen hatte es mit Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, der in seiner ganz eigenen Art twitterte:

Obgleich ich ihn sonst wirklich schätze, stellten sich bei mir alle drei Nackenhaare hoch. Immerhin: Ich blieb noch ruhig, wenn auch schon leicht vibrierend.

Beim letzten Netzrundgang vor dem Verlassen der Redaktion entdeckte ich dann noch den Beitrag von Lorenz Matzat: Fünf Gründe, warum ich von dem Krautreporter-Konzept enttäuscht bin. SEO-optimal, mit Bindestrichen, geiler Titel. Und schreibt, dass er “Krautreporter” abonniert hat. Ähem.

Und dann war es aus. Blutdruck. Enorm.

Merkt ihr eigentlich noch etwas?

Merkt ihr eigentlich den Zusammenhang? Warum wir in Deutschland in Sachen Digital nur so mittelgeil sind? Warum wir immer in diese Vereinigten Staaten von “Da geht alles ab…” gucken? Ich sag’s euch:

Weil wir mit Abstand die besten Bedenkenträger der ganzen Welt sind! Geil, was?

Wie schon beschrieben, mag ich die Arbeit von Wolfgang eigentlich sehr. Ich halte ihn für einen der besten. Und ich schätze seine Konsequenz, wenn er die Teilnahme an Podiumsdiskussionen absagt, wenn nicht mindestens die Hälfte mit Frauen besetzt ist. Gleichsam finde ich es nicht gut, wenn jemand nur schwarz oder weiß kann. Weil die Welt nämlich auch grau ist. Weil sie sogar so ist, dass ein Sascha Lobo auf der re:publica zu einem Marsch durch die Institutionen aufruft. Ernsthaft? Ja! Der kauft nicht nur Domains. Der ruft auch noch dazu auf, was immerhin den Grünen später super gelungen ist. Und ich bin mir sicher, dass Sascha mittlerweile weiß, was grau ist.

Wir werden nie – nie – nie – nie zu Potte kommen, wenn wir nicht endlich anfangen. Glaubt ihr, den Machern der “Krautreporter”-Plattform ist es egal, dass derzeit so viele Kerle da die Gesichter in den Bildschirm hängen? Ich hatte sie gefragt, die Antwort war ehrlich und eindeutig: Wir arbeiten dran! Wir haben ohnehin schon den größten Behörden- und Steuerkram von allen europäischen Ländern an den Hacken, die jedem Startup so viel abverlangt, dass es gleich mal IHK-Kurse absolvieren muss. Und dann noch die allerbeste Netzmeckerei.

Wenn wir weiterhin immer alles korrekt, oberkorrekt und dann noch mal überoberkorrekt erledigen wollen, dann brauchen wir – ganz deutsch – endlich ein Formular. Weil das eigentlich die Krönung ist: Die ultimative Checkliste, um endlich ein Projekt in ganz anderen Dimensionen starten zu können. Frauenanteil? Check! Fair gehandelter Strom? Check! Schutz der Biber? Check! Minimaler Schadstoff-Ausstoß? Check! TÜV-Plakette? Check! Fair-Trade-Kaffee? Check! (Ohne Fair-Trade-Kaffee kann eigentlich in Deutschland gar kein Startup starten, das wisst ihr schon, oder?) Migranten? O, wir brauchen ganz dringend noch Migranten. Sonst geht es gar nicht. Check!

Und dass es dann noch bitte ganz deutlich wird, hier knallhart formuliert: Warum arbeiten eigentlich in diesem “Krautreporter”-Projekt keine behinderten Journalisten? DAS GEHT GAR NICHT! Also, einstampfen, einpacken, Ende, fertig.

Mir wäre es lieber, wenn wir mehr abwägen. Ja, es fehlen Frauen in diesem Projekt. Ja, es ist noch nicht wirklich hübsch. Ja, die Finanzierung muss noch transparenter werden. Ja, die Technik muss rundum laufen. Leuts, das wissen die doch auch. Die sind doch nicht doof.

Aber ok. Besser gleich niederschreien, rummäkeln, eine Online-Petition zur Einstellung aufsetzen, weil alles nicht korrekt. Und dann, so machen wir das immer, zur nächsten re:publica latschen und rumnölen, das hier in Deutschland nichts läuft. Damit Sascha was zum Schimpfen hat.

Geht klar! Geht sterben! Echt!

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Franziska fragt wenigstens, und meckert nicht wirklich. ;)

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Helfen Werkzeuge, die eigenen Arbeitsabläufe zu verbessern, sie gar zu vereinfachen? Sollte man meinen, denn dafür sind sie häufig geschaffen. Eine durchaus konträre Diskussion entspann sich bei der Session von Sonja Kaute am zweiten Tag des Barcamps Nürnberg auf dem Gelände der Grundig-Akademie, die sie zum Thema “Evernote” angeboten hatte. Während einige Teilnehmer auf die Verwendung schwören, schreckt andere die etwas komplexe Darstellung der vielen Möglichkeiten von der Nutzung ab. Deutlich wurde durch die Diskussionsbeiträge von anderen, dass viele einen Mix von mehreren Werkzeugen nutzen. Persönliches Fazit am Ende von mir: Jeder muss die Werkzeuge für sich entdecken, mit denen er oder sie am besten arbeiten kann. Dabei kann und muss Evernote nicht schlecht sein.

Gleich mehrere Teilnehmer der Session berichten nach eigenen Erfahrungen von den umfangreichen Möglichkeiten, die dieses Werkzeug bietet. Beeindruckend die Darstellung eines Session-Teilnehmers, mit dem Werkzeug nahezu komplett das “papierlose Büro” erreicht zu haben. Man vermochte dabei die Konsequenz hinter seinem Wirken zu erkennen.

 

Die Komplexität von Evernote wurde auch mit Kritik bedacht. Immerhin gibt es schon mehrere Bücher (!), die die Arbeitsweise mit dem Werkzeug erklären und anleiten. Als ich das twitterte, meldete sich sogleich jemand von asnoted.com, einem weiteren Werkzeug. Es gebe dazu keine Bücher. Ein Qualitätsmerkmal? Interessante Frage.

Nicht zuletzt die Fülle von Informationen und das Bedienen und Befüllen von vielen verschiedenen Kanälen zeichnet das Arbeitsumfeld etwas von Social Media Managern aus. Häufig sind es auch sie, die immer wieder nach Werkzeugen suchen, genau diese Abläufe zu verbessern. Fraglich ist, ob es immer auch geeignete Werkzeuge für Menschen sind, die etwa mit anderen Aufgaben im Büro oder in anderen Organisationen arbeiten.

Das Filtern und Speichern von Informationen zählt dabei zu den wichtigsten Aufgaben, denen sich alle mit mehr oder weniger Sorgfalt widmen. Dabei konkurriert Evernote etwa mit Pocket oder Keeeb, natürlich auch mit Google Drive und vielen, vielen anderen Werkzeugen, die im Netz zur Verfügung gestellt werden. Deutlich wurde auch, dass einige Teilnehmer etwa per IFTTT Links, Bilder oder auch Dokumente von hier nach dort schieben, um zu verwahren oder weiter zu verwenden. Sinnvoll?

Das, so mein bereits oben ausgeführtes Fazit, muss jeder für sich selbst entscheiden. Hilfreich ist dabei, sich die Ziele zu vergegenwärtigen, die man erreichen möchte. Um dann die Prozessschritte aufzuzeigen, die dazu führen können. Wer dies deutlich vor sich sieht, kann einfacher nach Werkzeugen suchen, die das Ziel am Ende unterstützen.

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Strand

Schön ist sie, die Oberpfalz. Sehr schön sogar. Und bestimmt nicht nur im Frühling, aber jetzt ganz besonders. “Wie ist es denn da? Wie hast du dich eingelebt?, lautet die Frage per E-Mail. Und ich überlege nur kurz: Selten so geschmeidig angekommen. Bis auf ganz kleine Ausnahmen hat der Wechsel von Aachen nach Weiden sehr gut geklappt.

Wohnen? Super! Bis auf das Gäste- und oder Arbeitszimmer ist nahezu alles komplett eingerichtet, es fehlen wirklich nur noch Kleinigkeiten. Und es ist ein sehr schönes Gefühl, nun auf fast 90 Quadratmetern leben zu können. In der Nähe sind Einkaufsmöglichkeiten, in die Innenstadt sind es zu Fuß knapp 20 Minuten. Quasi gehopst. Es vergehen etliche Tage, an denen ich kein Auto brauche. Meist nehme ich es erst am Wochenende wieder in Betrieb; den Weg zur Redaktion erledige ich nahezu jeden Tag per pedes.

Lampen schon dran? – Scherzfrage, oder?

Die Region? Riesig! Also, viel Gegend, viel auf jeden Fall. Ziemlich viel Gegend, sagte ich das schon? Kurzum, ich hab’s noch nicht geschafft, das Verbreitungsgebiet einmal komplett zu durchqueren. Die ersten zaghaften Anfänge waren schon mal gut, aber nicht ausreichend. Was klar ist: Es gibt wunderschöne Städte im Verbreitungsgebiet. Amberg ist sehr nett, Weiden ja auch, Schwandorf ist auch sehr nett. So groß sind sie alle nicht. Nette Städtchen sind es. Und dann ist da noch so viel Gegend …

Es gibt Seen. Schöne Seen. Überhaupt gibt es viel Wasser in der Oberpfalz. Viele Seen, nämlich die Oberpfälzer Seenlandschaft, viele Weiher, einige Flüsse. Was ich bisher sehen konnte, war ziemlich klasse.

Die Menschen? Zuweilen schon rau und schroff, und herzlich. Auf ihre Art. Hilfsbereit, auf jeden Fall. Ganz klar, in den paar Wochen sind das bis auf die Kollegen nur sehr wenige, die ich bisher kennen lernen konnte.  Das wird jetzt nach und nach anders; und das wird schon.

Die Arbeit? O je, stimmt, da war noch was. Ziemlich gut. Ziemlich viel. Ziemlich fordernd in den ersten Wochen. So, wie es aussieht, wird das auch bleiben in den nächsten Wochen und Monaten. Es stehen so viele große Projekte an. Es stehen auch  noch viele kleine Projekte an. Es stehen auch noch etliche Termine an. Wir haben schon umgebaut, die Seite. Wir haben neue Strukturen geschaffen. Und werkeln weiter. Wir, das ist das derzeitige Team der Online-Redaktion. Steht noch nicht ganz, aber fast.

Und sonst? Ja, sonst. Sonst ist gerade Jungs-Urlaub. Also, Junior ist das erste Mal für mehrere Tage da. Leider bei höchst kaltem Vor-Osterwetter. Und sonst fehlt Besuch. Die Tatsache, dass das Gästezimmer noch nicht fertig ist, ist mal kein Umstand, jetzt schon Gäste unterbringen zu können.  Derzeit könnten zwei Gäste locker untergebracht werden, demnächst dann mindestens vier. Immerhin. Und stapeln geht ja dann auch noch.

Und sonst, so? Etwas angekommen. :)

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Am 28. Februar 2014 werde ich das Unternehmen DocMorris verlassen und damit meine Tätigkeit als Social Media Manager bei der größten europäischen Versandapotheke beenden. Weiter geht es am 3. März 2014 als Leiter Online des Medienhauses Der neue Tag in Weiden/Oberpfalz. Und wie immer im Leben gibt es dabei ein weinendes und ein lachendes Auge. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht. Am Ende haben das Angebot für eine Herausforderung und die Leidenschaft für den Journalismus den Ausschlag für die Veränderung gegeben.

Mein besonderer Dank gilt dem Vorstand und den Kolleginnen bei DocMorris, die mir vor fast anderthalb Jahren die Chance und das Vertrauen gegeben haben, in einem höchst interessanten Umfeld den Aufbau der Dialogkanäle in die Hand nehmen zu dürfen. Die besondere Herausforderung, in einem wirtschaftlich und marktpolitisch äußerst spannungsgeladenen Segment eine Position im Netz zu erarbeiten, die der dynamischen und sympathischen Marke gut zu Gesicht steht, war ein Anreiz von ebenso besonderer Güte. Etwa 120 Blogposts und fast 2300 Tweets (sowie eine phantastisch anmutende Interaktionsrate) sind heute für mich der Beleg, dass es gelingen kann, einen lebendigen Dialog im Netz zwischen Marke und Nutzern zu ermöglichen.

Eine Tatsache, die wiederum die Entscheidung für einen Wechsel nicht leichter gemacht hat. Die vielen persönlichen Kontakte, die dabei  auf Twitter und über das Blog entstanden, sind in vielen Fällen auch Kontakte mit sehr viel Herz und Verständnis.  Herzliche und liebenswürdige Menschen, die das Netz nutzen, um sich (ihr Anliegen oder ihre Projekte) mitzuteilen, auszutauschen, zu diskutieren, sich gegenseitig zur Seite stehen und füreinander da sind, sind die Menschen, die ich in meinem Herzen auch weiterhin mitnehmen möchte. Liebe Sue, liebe Sabine, liebe Katrin, lieber Aleksander, liebe Mone, liebe Ilka, lieber Finn, und viele, viele andere: Ich durfte euch lesen und zuhören, euch kennenlernen. Ich habe dabei sehr viel gelernt. Vielen Dank dafür!

Die neue Aufgabe

Vor mir steht die Aufgabe, ein motiviertes Verlags- und Redaktionsteam um Geschäftsführung und die Chefredakteure Norbert Gottlöber und Clemens Fütterer weiter in die Welt der Digitalisierung federführend zu begleiten. Die Veränderung in der Medienwelt beschäftigt mich, seit ich die Chancen der Digitalisierung erkannt habe. Als gelernter Redakteur schlägt das Herz seit jeher und noch immer für die Regionalzeitung. Sie ist, im besten Fall gut gemacht, ein wichtiges Bindeglied für die regionale Identität in einer funktionierenden Gesellschaft.

Eine der vielen sich mir stellenden Fragen ist, wie sich etwa die Erkenntnisse und Erfahrungen der klugen Kollegen und Vorreiter wie Stefan Plöchinger, Jochen Wegner und Wolfgang Blau auch auf die Medien in der Region übertragen lassen. Christian Lindner und Marcus Schwarze bei der Rhein-Zeitung sind dabei ebenso Vorbilder wie etwa die Kollegen der Ruhr-Nachrichten, um an dieser Stelle nur wenige Beispiele zu nennen.

Wer mich nur ein wenig kennt, weiß sehr gut, dass es mir dabei nicht nur um den digitalen Dialog geht, sondern vielmehr um die Menschen, die hinter den Profilen und ihrem Engagement im Netz stecken. Gelegenheiten, sich gegenseitig kennen zu lernen, werden wir schaffen und vertiefen. Die langjährigen Erfahrungen hinsichtlich der Markenentwicklung, der Kundenbindung, der Neukundengewinnung und der Vielfalt der Medien sind mir bei der neuen Tätigkeit nun hilfreich.

Der Abschied aus dem sehr lebenswerten Aachen fällt auch nicht so leicht. Sehr angenehm ist, dass ich in Weiden schon nette Menschen getroffen habe, die mir das Ankommen dort sehr freundlich stimmen. Was also demnächst ansteht: Umzugs-Gedöns. Was wiederum praktisch ist: Twitter-Timeline und Facebook-Freunde werden nun einfach von West nach Ost mit umgezogen. Schön, dass ihr seit Jahren da seid. Vielen Dank für eure Begleitung und Unterstützung in manchen Fällen. Man liest sich von überall. Und ihr seid herzlich willkommen, mich künftig in Weiden zu besuchen.

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Seit sehr, sehr langer Zeit hatte ich das große Glück, den Jahreswechsel in dieser Ruhe erleben zu können. Die letzten Urlaubs- und Ausgleichstage zusammen gesammelt, um drei Wochen am Stück dem Frohsinn frönen zu können. Nun, fast, immerhin musste auch noch einiges erledigt werden, was sonst im Jahr liegengeblieben war. In aller Ruhe erledigt.Wie auch in aller Ruhe nachgedacht.

In Erinnerung sind mir besonders Veranstaltungen und Begegnungen. Insbesondere etliche Camps, die ich in diesem Jahr besuchte; und die Menschen, die damit verbunden sind. Erneut konnte ich großartige Menschen kennen lernen. Wie schon so häufig seit vielen Jahren, in denen ich mich intensiv mit dem Netz auseinander setze. Besonders schön: Sehr liebe Menschen kennengelernt zu haben, weil man sie in diesem richtigen Leben einfach unvermittelt angesprochen hat; und irgendwann nennt man sie „Sonnenschein“.

Ach, ja, dieses Internet. Mittlerweile ist das, was viele „Social Media“ nennen, ein wenig mehr normal. Es ist nicht mehr ganz so aufregerisch. Quasi, business as usual. Was wiederum auch eine Gefahr ins sich birgt. In vielen Unternehmen sagen sie heute, dass sie da jetzt auch was machen. Das machen sie auch. Sie machen es nur nicht gut. Ihnen ist wichtig, dass sie es in ihre Excel-Tabellen einfügen können. Was wiederum der Hierarchie-Pflege dient. Den eigentlichen Kulturwandel durch das Internet haben sie noch gar nicht verstanden. Und das wird auch noch einige Zeit dauern, vermute ich.

Die direkte Kommunikation mit Kunden und /oder Beteiligten in welcher Position auch immer braucht Zeit. Viel Zeit sogar. Viel mehr als manche vermuten. Oder wissen. Oder meinen zu wissen. Und so ganz viel wissen wir eigentlich in dieser noch immer jungen Branche gar nicht. Bestätigt hat sich für mich, dass wir viel Zeit dafür benötigen. Bestätigt hat sich für mich auch, dass wir noch viel mehr Zuhören müssen. Weil wir daraus lernen können. Weil sich daraus ein spannender Austausch ergeben kann. Weil das überhaupt Menschen zusammen bringen kann. Weil das die Dinge wirklich voran bringen kann.

Fazit für mich, und gleichzeitig auch mein Motto für 2014: Zuhören. Um verändern zu können. Denn nur Veränderung kann auch Verbesserung bewirken. Besser werden.

Dies wird nahezu alle Branchen, mal mehr – mal weniger, betreffen. Der Wandel, das ist interessant, findet in unterschiedlichen Geschwindigkeiten statt. Das ist tatsächlich auch eine Frage der Technik. Und eine Frage der Politik. Die Internetversorgung muss jetzt bald mal die gleiche Priorität haben, die es auch Wasser und Strom haben. Und das ist noch lange nicht so.

Über die Politik mag ich grad nicht schreiben. Das ist mir zu diffus; und da findet gerade eine Entwicklung statt, die ich wohl nicht gutheiße. Das Verständnis der Staaten und der Daten. Was passiert da? Und wer macht da was. Und was ist dann eine wirkliche Demokratie? Und was sind dabei noch Parteien? Und wer hat eigentlich wirklich die Macht? Mehr Fragen gerade als Antworten. Aber ich schaue noch. Und schreibe später dazu einen eigenen Post. Versprochen.

Vermutung: Es wird künftig noch mehr „Inseln“ geben. Inseln wie whatsapp, die den Menschen abgeschlossene Kommunikationsräume bieten, die nicht von Marketing und PR-Kommunikation durchdrungen sind. Zwangsläufig muss das Engagement auf den Plattformen, auf denen sie stattfinden kann, qualitativ noch viel besser werden. Entschieden wird mit dem Klick. Schnell.

Es bleibt also spannend. Wie schön. Ich freue mich darauf, weil ich der Veränderung schon immer einen positiven Unterton beigefügt habe. Denn nichts ist stetiger als der Wandel.

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Es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn aus einer Schnapsidee eine konkrete Anwendung wird. Seit heute online: Der Aua-Index und das MimimiMeter. Ganz klar, die Erde dreht sich nicht schneller, glücklicherweise auch nicht langsamer. Es ist einfach so.  Ich freue mir einen Ast, dass wir das mit der Hilfe von Marian Steinbach und der Agentur Dreamland geschafft haben. Es passt sehr gut zu meinem Arbeitgeber DocMorris, der mir ein wundervolles Umfeld für die Arbeit innerhalb der digitalen Kommunikation bietet.

Was wir machen?

Wir durchsuchen Twitter nach den relevanten Begriffen, die die Twitterer nutzen, wenn ihnen etwas weh tut. Kopf-, Bauch- oder Gliederschmerzen? Der geübte Twitterer lässt dies seine Follower wissen. Hier tut’s weh, dann der “tödliche Männerschnupfen”, hier zwickts, hier zwackelts. Nach langer und gründlicher Analyse von vielen Tweets wissen wir, wie das dann geschrieben wird. Und natürlich weiß ich selbst auch, nach nun fast sechs Jahren auf Twitter.

Nach einiger Überlegung entstand dabei das “Abfall-Produkt”: Das MimimiMeter. Denn, so wissen wiederum die erfahrenen Twitterer, ist ein gerüttelt Maß Ironie dabei, wenn der bekannte Hashtag #mimimi im Spiel ist. Es tut nicht immer weh, vielmehr nervt es, wenn es im Leben mal nicht ganz so passt. Zuweilen Luxusprobleme, zuweilen echte Angst, zuweilen unfreiwillige Komik. Nur wirklich weh tut es nicht. Immerhin entstand dabei das MimimiMeter; mal sehen, was die deutschsprachigen Twitterer so drauf haben.

Wie das entstand?

Durch das Zuhören im Netz. Durch das Monitoring, dass ich bei DocMorris immer noch sehr (zufrieden) zu Fuß erledige: Mit netvibes.com. Darin enthalten: Der Begriff “Schmerz”. Anders als der Begriff “Gesundheit”, der nur unendlich viel Müll im Netz zutage fördert, war schon bei der täglichen Beobachtung klar, dass das mit dem Suchen nach dem Begriff “Schmerzen” sehr viel zutage gefördert wird. Sehr deutlich bei Twitter, wenn etwa kalte Tage anstehen: Die Halsschmerzen und die Erkältung, die auf Twitter gern oder mehr leidend durchlebt wird. Mit Follower-Begleitung, versteht sich.

Irgendwann sagte ich im Büro zu meinen netten Kolleginnen: “Twitter-Deutschland geht es schlecht!”. Und später war dann die Idee geboren, nicht zuletzt durch andere Anwendungen, etwa zur Bundestagswahl, die den Kurznachrichtendienst nach Stichworten durchforstet hatten.

Warum “Zuhören”?

“Zuhören” hatte ich geschrieben. Aus gutem Grund. Ermüdend sind die Diskussionen im Netz zu “Content-Marketing”, zu “Blogger-Relations”, zu “Influencer-Relations”, zu anderen Säuen, die in der Social Media-Blase durch das Internetdorf getrieben werden. Was immer häufiger fehlt: Das Zuhören. Wer jeden Tag nahezu 200 Blogs, das Netz, die Twittersphäre und andere Kanäle durchforstet, wenn es um die Themen Gesundheit und Krankheit geht, weiß irgendwann: Das Netz ist nicht in der Social Media-Blase. Das Netz ist einfach im Netz. Hier ermutigen sich Bloggerinnen gegenseitig in ihrem Netzwerk, hier suchen Twitterer nach Gleichgesinnten, hier treffen sich Patienten in einer geschlossenen Facebook-Gruppe regelmäßig zum Austausch. Sie wissen nicht mal, was Social Media ist. Gut so.

Wer hier im Netz zuhört, wer Geduld hat, wer nicht Aktionen in seinen Excel-Tabellen aufführen muss, wer den unsinnigsten Klout-Score locker ignorieren kann, findet hier den wirklichen Dialog. Vermutlich gilt das für viele Branchen, das ist meine Vermutung.

Der Aua-Index und das MimimiMeter sind Zeichen. Sie sind Zeichen dafür, dass wir von DocMorris im Netz zuhören. Und wir zeigen es im Netz, wenn wir besonders den Bloggerinnen anbieten, das Ergebnis auch auf ihren Blogs zu zeigen. Dass wir wissen, wie es um die Beteiligten steht,wie wir Freundschaften knüpfen, Initiativen aufgreifen, schauen, wie Menschen sich mit ihrem Thema im Netz organisieren.

Das macht große Freude. #mimimi :)

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Wir müssen weiter daran arbeiten, dass es in Zukunft gute Barcamps geben wird. Meine Erkenntnis des Barcamps Ruhr #bcruhr6 im Essener Unperfekthaus birgt auch einige Bedenken. Deutlich wurde mir dies im Rahmen der Session des bcruhr-Organisators Stefan Evertz zur “Zukunft der Barcamps”. Klar ist auch, dass es in Zukunft mehr Themencamps geben wird. Ein Grund mehr, die besondere Kultur der Barcamps zu pflegen, sie sogar auszubauen. Stefan hat dabei  deutlich gemacht, welche Ingredienzien dazu notwendig sind. Das #bcruhr ist gleichzeitig beredtes Beispiel.

Neben einer guten Vorbereitungsorganisation und der Versorgung mit gutem Essen (D’accord!) spielt die Location eine der wichtigsten Rollen für den Erfolg von Barcamps. Dabei vergleiche ich das Barcamp Ruhr sogar mit der re:publica. Das Unperfekthaus ist ein Traum. Die Station auch. Wenn man etwas daraus macht. Beide zeichnen sich nach meiner Meinung in der Detail-Liebe aus. Die Aufmerksamkeit und Sorgsamkeit der Locationbetreiber und der Camporganisatoren für ihr Publikum ist für viele vielleicht nur im Unterbewusstsein spürbar. Und tragen dabei zum Erfolg der Veranstaltung enorm bei.

Sessionräume unterschiedlicher Größen und Ausstattung sind dabei nur ein Teil. Denn das bieten viele Locations. Gleichzeitig Atmosphäre und Rückzugsräume für Gespräche von kleinen oder größeren Gruppen vorhalten zu können, ist ein wichtiger Aspekt zudem. Er sollte nicht unterschätzt werden.

Bedenken habe ich etwas, wenn es um das Organisationspersonal der Barcamps geht. Dabei meine ich nicht die vielen fleißigen Helfer, die sich nahezu immer finden. Die bestorganisierten Camps hängen an Initiatoren, die in den letzen Jahren viel Erfahrung gesammelt haben. Gelingt es jenen, diese Erfahrungen rechtzeitig an andere weiterzugeben? Finden sich Mutige, die an diese Erfahrungen andocken und die Camps weiterhin anzetteln und vorbereiten? Das ist mein Wunsch, aber auch die Aufforderung an die Erfahrenen, rechtzeitig und mit Umsicht ihren irgendwann verständlichen Rückzug vorzubereiten. Denen, die sich an die Camp-Initiierung trauen, müssen wir ohne eigene Interessen Unterstützung anbieten.

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Christian de Vries
Christian Dingler 

Neben den Barcamps werden künftig auch die Blogposts über die Barcamp-Teilnahme wesentlich besser. Und nicht nur die. Das “gelobten” mehr als 60 Teilnehmer, die im Rahmen des #bcruhr6 im Essener Unperfekthaus an der Session “Schönerbloggen-Besserschreiben” von Christian (Dingler) & Christian (de Vries) teilgenommen hatten. Neben vielen technischen Tipps zum Aufbau eines Posts wurden auch Fragen zu Themen und Technik sowie zur passenden Literatur beantwortet.

Mit Themen ist das so eine Sache. Die wenigsten sind von Natur aus so interessant, dass man ihnen freiwillig ein paar Minuten seiner Lebenszeit opfert. Ein paar einfache Kunstgriffe machen allerdings auch das Stück zum sprichwörtlichen Sack Reis zu einer spannenden Geschichte.

Wie sollen also die Blogposts aussehen? Lesbar! Ohne Geschwafel über Anreise oder Küsschen oder Grüße. Das lässt sich anderweitig erledigen. Kommt auf den Punkt. Schnell. Und ihr werdet gelesen.

Kein Mensch liest freiwillig Besinnungsaufsätze oder Erfahrungsberichte, die einfach nur ohne erkennbaren roten Faden kreuz und quer durch die Thematik wabern. Die Kunst des Zuspitzens besteht im Weglassen. Zunächst alles das, was unwichtig ist. Vom Rest sucht Ihr Euch einen Aspekt aus und über den erzählt Ihr.

Der Titel

Kurz und knackig. Wenn der Titel schon vorher feststeht, den Text darunter schreiben. Sonst erst den Text schreiben. Wenn’s schwer fällt: Fünf Titelvorschläge auf ein Blatt Papier schreiben, eine Stunde ruhen lassen. Der beste wird sofort sichtbar. Der knackige Titel wird auch der Tweet, mit dem der Text promoted wird. Also: Krachen lassen!

Wenn Ihr gezwungen seid, über den sprichwörtlichen Sack Reis zu schreiben, gibt es eine Technik, die hilft, das Thema spannend zu machen. Dreht das Rad weiter. Gebt dem Thema einen “Spin”. Einige Aspekte eignen sich besonders gut für einen Spin:

Konfrontation: Umgefallener Sack Reis sorgt für schlechte Stimmung in China
Harmonie: Chinesische Familie versöhnt sich über umgefallenen Sack Reis
Wirtschaft: Jährlich Schäden von 1,5 Mio. Euro durch umfallende Reissäcke
Tradition/Geschichte: Schon die alten Römer nervten Geschichten über umfallende Reissäcke
Zukunft: Startup verspricht: Nie wieder umfallende Reissäcke
Nähe: Sack Reis im Essener Unperfekthaus umgefallen
Außergwöhnlichkeit: Sack Reis ausnahmsweise stehen geblieben

Der Teaser (Vorspann)

Das Wichtigste voran: Erkenntnis, Einsicht, Nachricht. Dann: Möglichst viele W-Fragen (wer, was, wann, wo, warum, wie) in den ersten Sätzen verpacken. Dann weiß der Leser worum es geht (siehe oben).

Ihr merkt schon: Das kann unter Umständen sehr plakativ werden. Nicht alle Spins geben auch eine vernünftige Geschichte ab. Die Technik hilft allerdings, das Thema weiter zu drehen und einen Aspekt zu finden, der es Wert ist, erzählt zu werden.

Der Text

Auch knackig. Aktive Formulierungen, kurze Sätze, nicht mehr als 14 Wörter pro Satz, wenn möglich. Mut zur wörtlichen Rede, gute Zitate sind Salz und Pfeffer jeden Beitrags. Der Leser klebt an den Lippen derer, die zitiert werden. Die Fakten übersichtlich präsentieren, gern per Spiegelstrichen oder Nummerierungen. Nicht immer lange erklären. Dafür gibt es Links.

Bei längeren Texten mag nicht nur die Suchmaschine Zwischenüberschriften. Der Leser dankt, weil es dem Text Struktur gibt.

Wenn es nicht nur um Fakten geht, könnt ihr Bilder und Situationen beschreiben. Führt den Leser in die Situation, die euren Anlass widergibt. Adjektive sind in dieser Situation Zucker. Beschreibt die Atmosphäre, das Drumherum. Schafft ein Bild.Erzählt von Menschen

Viele kennen aus dem Studium das Gefühl, sich durch einen Text quälen, ihn erarbeiten zu müssen. Das hat einen Grund. Abstrakte Sachverhalte sind sehr trocken. Sie fesseln, wenn überhaupt, nur absolute Fachleute. Was uns fesselt, sind Geschichten von echten Menschen. Erzählt also nicht die Geschichte “In Essen ist ein Sack Reis umgefallen” – was ich lesen möchte, ist “Stefan und Katja waren entsetzt, als sie am Morgen des 10. März einen umgefallenen Sack Reis im Lager des Unperfekthaus in Essen entdeckten.” Das mag jetzt ein sehr plakatives Beispiel sein, aber Ihr merkt – es funktioniert. Je nach Geschmack kann man auch weniger dramatisch formulieren. Sollte man vielleicht sogar.

Die Literaturhinweise und eine gute Zusammenfassung unserer Session hat Frank Bergmann parat: http://blog.hildwin.de/2013/03/10/bcruhr-blogger-lesen-tageszeitung/

Dieser Beitrag ist die Dokumentation unserer gemeinsam gehaltenen Session “Schöner Bloggen” auf dem Barcamp Ruhr.

Ein wunderbares Tool zur Textüberprüfung: http://wortliga.de/textanalyse/

Dank den Sponsoren GLS Bank, Wunderman, Denkwerk, TechSmith, Rheinschafe, Simyo, 9elements, LVQ, pixoona, lokalkompass.de, spontacts, immowelt.de, autonetzer.de, Kwiitsch.

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