Alltags-Notizen

Alltags-Notizen: Linien-Salat und ein kaputter ÖPNV

14. Oktober 2020

Heute ein Feriendienst, den ich den „Resterampen-Dienst“ nenne. Start ist um kurz nach sechs Uhr. Zuerst nach Menden, um von dort zwei Runden die Linie 23 nach Fröndenberg zu fahren. Zwei Menschen fahren auf der ersten Tour mit. Insgesamt sind es auf den Runden des aktuellen ÖPNV nicht mehr als 15 Personen, die mitfahren. Nicht mehr als fünf Personen sitzen jeweils im Bus. Danach geht es mit einer sogenannten Verbindungsfahrt zur Haltestelle Obsthof, eine Runde die Linie 24. Damit fertig ist erneut eine Verbindungsfahrt zur Haltestelle Platte Heide Schule angesagt. Und, spannend, von hier aus noch mal eine Runde Linie 24. Insgesamt sind es auf den beiden Strecken genau 19 Menschen. Es sind nie mehr als fünf Personen im Bus. Kurz vor 11 Uhr ist dann vorläufiger Feierabend. Den Bus zum Hof, den Fahrer auf die heimische Couch.

Um kurz vor 15 Uhr starte ich dann vom Hof in Fröndenberg zu einem Mendener Industriegebiet. Ein Sonderweg der Linie 22 Richtung Stadtmitte. Erfahrungsgemäß steigt niemand ein, fahre also leer. Von Menden geht es dann in Richtung Iserlohn-Sümmern, ins Industriegebiet Rombrock. Eine halbe Stunde Wartezeit, dann geht es von dort Richtung Hemer, Zentraler Omnibusbahnhof. Wie erwartet steigen genau zwei Menschen ein. Sie werden pünktlich abgeliefert. Weiter geht es mit einer Verbindungsfahrt nach Iserlohn, um dort die Stadtlinie 11 zu bedienen. Es ist ein kalter, nassgrauer Tag. Auch jetzt sind nie mehr als zehn Menschen im Bus. Um kurz vor 18 Uhr ist Feierabend. Zum Hof dauert die Fahrt etwa eine halbe Stunde. Tanken, heute mal nicht waschen, fegen, Schlüssel und Tachoscheibe ans Brett. Ich bin um 19.15 Uhr daheim.

Es mag an der Corona-Pandemie liegen, vielleicht auch an den Herbstferien in NRW: Es sind in den letzten Tagen nie mehr als 10 oder maximal 15 Personen im Bus. Noch mal zur Erinnerung: In jeden üblichen Solo-Bus passen etwa 100 Menschen, je nach Marke und Ausstattung mal etwas mehr als 90 Personen (etwas mehr als 30 Sitzplätze, der Rest sind Stehplätze). Sehr häufig war es leider auch in den Schulwochen zuvor kaum anders. Die Busse im hiesigen Vorsauerland sind nur zu zwei Zeiten wirklich gefüllt: Zum Schulbeginn, und zum Schulende. Jeweils maximal eine halbe Stunde.  Und so gern ich mittlerweile Bus fahre, frage ich mich, ob das sinnvoll ist.

Ok, es gibt durchaus Linien, auf denen das etwas anders ist. Etwa auf der zentralen Linie 1 zwischen Menden und Hohenlimburg. Da brummt es nahezu immer in der Woche. Und zum Teil auch auf der Linie 22 zwischen Iserlohn und Menden. Von den Wochenenden möchte ich mal gar nicht reden. (Ich schreibe hier übrigens nur über Linien, die ich selbst fahre.) Und es ist ganz klar: Wir reden vom flachen oder flachhügeligen Land, wir reden hier nicht über Großstädte.

Ich will mich in den nächsten Tagen noch mal genauer damit befassen, wie sich der ÖPNV finanziert. Meiner vagen Redakteurs-Erinnerung zufolge wird demnach (und vermutlich bis heute) der ÖPNV in weiten Teilen über den Schülerverkehr finanziert. Ein weiterer Teil wird über die Kreisumlage der Städte und Gemeinden im Landkreis finanziert. Das ist durchaus sinnvoll. Aber es ist, wie ich auch in diesem sehr gut formulierten Beitrag des Verkehrsexperten Andreas Knie gelesen habe, nicht die Lösung, um den ÖPNV so zu gestalten, das er attraktiver wird, und damit mehr genutzt.

Meiner, zugegeben geringen, Erfahrung nach geschehen nicht mal fünf Prozent der Busfahrten spontan. Selbst wenn es zum Einkauf in die Stadt geht, weiß die fast 70jährige Frau das mindestens zwei Tage zuvor. Ich stelle mir eine App vor, in der ich die Fahrt einen Tag zuvor angebe. Dann weiß die Verkehrsgesellschaft über das mögliche Fahrgastaufkommen. Ein Puffer sollte immer bleiben. Ich stelle mir Angebote wie Loop in Münster vor, die die Fahrgäste abholen und entweder ans Ziel bringen, oder sie an eine der Hauptverkehrsstrecken bringen, um dort bequem umzusteigen. (Jo, wir müssen die Busbahnhöfe umbauen!). Ich kann mir solche Quartiersbusse sehr gut vorstellen. Sie, und die anderen Busse, sollten auch Möglichkeiten bieten, mehr Fahrradfahrer mit ihren Pedelecs unterbringen zu können.

Das Ziel ist ja, den ÖPNV so viel attraktiver anzubieten, dass er wirklich eine Alternative zum Auto ist. Nur das bringt die entsprechende Entlastung hinsichtlich der schon begonnenen Klimakatastrophe, bringt die dringend benötigte Entlastung für die Städte, um dort die Flächen nicht mehr nur für die Autos bereit zu stellen.

Ich weiß, das ist noch ein ganz, ganz langer Weg. Wir müssen ihn gehen. Ich dachte nur nach. Und denke gern weiter. Was sind dazu eure Erfahrungen und Vorschläge? Bitte hinein in die Kommentare. Danke.

cdv!

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